Die richtige Position auf dem  Rad


Die einen  kippen bei jeder Kurbelumdrehung über die Sattelflanke ab wie ein Schiff in schwerer See, die anderen kriegen ihre Knie fast bis ans Kinn. Wieder andere  verwechseln ihr Bike mit einer Streckbank. In allen Fällen wird nicht nur Kraft verschenkt, sondern Muskeln, Sehnen und Gelenke unnötig belastet.

Radfahren kann eine  Menge Spass machen - oder auch zu einer Tort(o)ur ausarten. Wenn man zum Beispiel auf dem falschen Rad oder eben falsch auf dem Rad sitzt. Letzteres lässt sich  mit Hilfe einiger Handgriffe berichtigen.

Sitzhöhe einstellen

Dreh- und  Angelpunkt bei der Suche nach der optimalen Sitzposition ist die richtige Justierung des Sattels. Um die Höhe zu bestimmen, nimmt man Platz und setzt die Hacke auf das Pedal, das sich in Sechs-Uhr-Stellung befindet, während ein Helfer  das Rad hält. Ist das Bein jetzt durchgestreckt, ohne dass das Becken dabei abkippt, stimmt die Höhe. Test: Steht der Fuß korrekt (Pedalachse am Übergang  zwischen Mittelfußknochen und Zehenknochen) auf dem Pedal, darf das Knie nicht gestreckt sein.
 

 

Diese Vorgehensweise hat allerdings einen kleinen Haken: Bei korrekter  Einstellung kommt man gerade noch mit den Zehenspitzen auf den Boden - vor allem bei vollgefederten Rädern, deren Kurbelgehäuse von den Konstrukteuren etwas gelupft werden, damit die Pedale beim Einfedern keine Furchen in den Boden ziehen. Wer sich also unsicher fühlt, sollte den Sattel ein wenig absenken. Das erleichtert das Auf- und Absteigen und gibt Sicherheit.

Sattelneigung bestimmen

Mit einer  Wasserwaage wird der Sattel waagerecht ausgerichtet. Zeigt die Nase nämlich stark nach unten, rutscht der Fahrer nach vorn, und die Arme müssen zusätzliches Gewicht abfangen. Außerdem ist in dieser Haltung ein gleichmäßiger Tretrhythmus  kaum zu realisieren. Bei abschüssigem Heck wiederum werden die Gelenke  überlastet. Sollte ein waagerecht gestellter Sattel infolge des Drucks aufs Schambein indes einschlafende Körperteile provozieren, gibt's zwei Möglichkeiten: die Sitzgelegenheit wechseln oder den Sattel leicht nach vorn neigen, bis das Problem nicht mehr auftritt.
 

Sattelposition bestimmen

Um die genaue  Sattelposition zu ermitteln, setzt man sich in den Sattel und bedient sich  wieder einer Person, die Hilfestellung leistet. Diesmal werden die Kurbeln  waagerecht gestellt und der vordere Für so positioniert, dass sich der Fußballen direkt über der Pedalachse befindet. Fällt man jetzt ein Lot (z. B. mithilfe  eines mit einem Gewicht beschwerten Bindfadens) von der Kniescheibe, dann führt  dieses im Idealfall genau durch die Pedalachse.


Falls nicht, ist der Sattel  entsprechend zu verschieben. Je nachdem, was für Sattelstützen und Sättel  kombiniert werden, reicht möglicherweise der Verstellbereich nach hinten nicht  aus - vor allem bei Radlern mit verhältnismäßig langen Oberschenkeln. Abhilfe  schafft eine nach hinten gekröpfte Sattelstütze. Wer eine rückwärtige Sattelposition braucht, muss übrigens meistens auf einen Brooks-Sattel  verzichten. Das Sattelgestell der englischen Ledersättel lässt zu wenig  Spielraum für Verschiebeaktionen (siehe Foto).

Der  Lenker

 

Erst wenn die  endgültige Sattelposition gefunden ist, wird der Abstand von Sattel zu Lenker bestimmt. Dazu muss der Ellenbogen an die Sattelspitze angelegt und der Arm gen  Lenker ausgestreckt werden. Drei Finger sollten nun die Distanz zwischen  ausgestreckter Hand und Lenker überbrücken. Mit dieser Methode ist sichergestellt, dass einerseits Lenker oder Schalthebel im Wiegetritt nicht mit  den Knien touchiert werden und andererseits das Fahrrad nicht zur Streckbank mutiert.

Im ungünstigsten Fall muss ein neuer Vorbau her; damit der Abstand stimmt.  Hilfreich sind in der Neigung verstellbare Modelle, die eine einfache Anpassung  der Lenkerposition erlauben. Egal welche Lenkerhöhe gewählt wird - die Arme  dürfen nie ganz durchgestreckt sein. In welcher Etage der Lenker dann letztlich  ruht, ist vom Radtyp, dem Fahrstil und den persönlichen Vorlieben  abhängig.

Sportliche Rennrad-  und Mountainbike-Piloten senken den Lenker beispielsweise unter Sattelhöhe ab.  Das bringt nicht nur ein Plus an Aerodynamik, sondern erleichtert auch das Bergauffahren, weil der Körper stärker gespannt ist.

 

Mit diesen Tipps steht einer ergonomischen Sitzposition nichts mehr im Wege. Doch vergessen Sie  nicht: Letztlich sind Sie selbst der Maßstab. Sie müssen sich wohl fühlen - selbst wenn das nur mit einem extrem weit nach hinten gerückten Sattel möglich ist. Wer zum Beispiel Tour-de-France-Übertragungen aufmerksam verfolgt, weiß, dass sich auch Profis nicht immer sklavisch an die üblichen Empfehlungen halten. Es ist eben alles eine Frage der - persönlichen - Einstellung.

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